How to take pictures in the dark

09 08 2008

So, nachdem sich ja mehrere Leser gemeldet haben und wissen wollten, wie meine Nachtfotographien entstehen, gibt es heute - wie versprochen - ein kleines "making of". Night Fotograohy ist eigentlich relativ einfach. Ich sage eigentlich, weil man zwar immer noch brauchbare Motive braucht, aufs Wetter achten sollte, den Mond mit einberechnen muss, diverse Sicherheitsvorschriften (und wenn man sich Aerger ersparen moechte, auch Gesetze beachten und nen haufen "administrativer" Vorarbeit leisten) muss - dafuer ist die eigentliche Ausruestung, die man braucht, relativ simpel. Wichtig ist, dass man Zeit mitbringt, denn hetzen sollte man sich nicht. Meine Night Photography Sessions dauern in der Regel immer mehrere Stunden, dafuer empfinde ich es aber als sehr entspannend. Ich kann gut abschalten, wenn ich nachts in aller Ruhe durch menschenleere Gegenden spaziere, keinen Alltagslaerm hoere und Dinge entdecke die ich auf "Film" bannen kann.

Die Ausruestung

Teile meiner
Ausruestung
Meine Standardausruestung: Canon EOS 40D mit Tamron 11-18.

Grundsaetzlich tut jede Kamera, bei welcher man ISO, Blende und Belichtung frei einstellen kann. Ausserdem sollte man entweder Belichtungszeiten jenseits von 30 Sekunden oder Belichtungsmodus B einstellen koennen. Eine Spiegelreflexkamera ist natuerlich am besten geeignet, alleine weil vollmanuell halt doch am besten ist :-P und ausserdem weil man je nach Bedarf die gewuenschte Optik verwenden kann. Eine normale Bridge- oder Point-and-Shoot Kamera sollte aber auch tun, sofern sie die oben genannten Voraussetzungen erfuellt. Mangels Erfahrung mag ich das aber nicht garantieren ;-). Das Weitwinkel verwende ich, weil mir die Optik auf den Nachtaufnahmen gefaellt. Je nachdem wechsel' ich auch mal zum Canon EF-S 18-55 oder dem EF-S 28-135 IS.

Fuers Licht geht eigentlich alles, was Licht erzeugt :-). Mit der Zeit faengt man an, herum zu experimentieren und verschiedene Lichtquellen auszuprobieren - von Laser Pointern und kleinen LED Schluesselanhaenger ueber kleine und groessere Taschenlampen bis hin zu High Power Taschenlampen (ihr wisst schon, die koffergrossen Dinger) und Blitzen ist alles erlaubt. Taschenlampen haben den Vorteil, dass man mit ihnen "gesteuertes" Licht abgeben und gezielt Details beleuchten kann. Blitzlichter geben dagegen ein grossflaechig gleichmaessiges Licht ab, ist also z.B. besser geeignet um Raeume oder grosse Flaechen auszuleuchten. Batterietechnisch hatte ich vor ein paar Tagen ja schonmal was geschrieben: LED Taschenlampen verbrauchen weniger Batterien (und haben den Vorteil, recht neutrales Licht abzugeben), fuer Blitzgeraete braucht man entweder jede Menge wiederaufladbare Batterien oder man holt sich gleich nen Quantum Akku ;-). Der Quantum ist ein externer Akku, der am Blitz angeschlossen wird und selbigen mit weitaus mehr Power fuettert, als es die Akkus je koennten ;-). Der Blitz selbst kann hingegen relativ anspruchslos sein. Ich verwende 2 alte Vivitar 5500 Strobes, fuer jeweils 20 Dollar bei eBay erstanden. Wer bei google und den gaengigen Fotoforen sucht (Stichwort Strobist), bekommt oft den Vivitar 283/285 empfohlen - allerdings werden die Dinger inzwischen auch wieder deutlich teurer (da begehrt). Die 5500er von Vivitar kommen meist deutlich guenstiger weg, haben ne brauchbare Leitzahl und sind genauso bis auf 1/16 herunter regelbar und haben nen 18-85mm Zoom. Kleiner Warnhinweis: Diese Blitze sind nur fuer entfesseltes Blitzen gut! Don't connect it to your camera! Diese alten Blitze haben Zuendspannungen von mehreren hundert Volt, im gegensatz zu den 6 Volt moderner Blitze. Damit ist schnell die Elektronik der Kamera ruiniert!

Fuer die Farben verwende ich stinknormale Farbfilterfolien, wie sie im Musikerbedarf in allen moeglichen Farben fuer die Buehnenbeleuchtung erhaeltlich sind. So eine Folie hat grob geschaetzt 30x30 cm und wird von mir in vier Quadrate zerschnitten. Die selben Folien bekommt man auch im Fotofachhandel, nur kosten sie da das vielfache. Da ich das auch gefragt wurde: Ich habe keine spezielle Befestigung fuer die Folien - ich halte die einfach vor den Blitz oder die Taschenlampe, bzw. stuelpe sie einfach drueber. Hab aber auch schon die abgefahrensten Befestigungen bei anderen Flickristen gesehen :-).

Wichtig ist dann noch ein stabiles Stativ. Moeglichst, gross, schwer und stabil! Gerade hier in Oklahoma besonders wichtig, da es dauernd windet wie bloede - aber auch grundsaetzlich essentiell! Bei Stativen wird gerne gespart, aber gerade hier gilt: wer billig kauft, kauft zweimal! Die Kamera muss fest fixiert sein! Ihr koennt fokussieren so lange ihr wollt - wenn das Stativ ein wackeliges Plastikgestell ist, laesst bereits der Spiegelschlag oder jeder kleine Windzug die Kamera vibrieren und das Bild wird unscharf. Gute Stative kosten locker 100-150 Euronen und mehr. Ist so!

Kommen wir zum Fernausloeser. Ihr wollt nicht direkt an der Kamera ausloesen - auch wenn ihr noch so vorsichtig seid, bewegt ihr damit die Kamera und runiniert das Bild. Und so viel kosten die Dinger eh nicht. Jaja, ich hab mir damals noch einen Fernausloeser fuer die 300D selbst gebastelt, inzwischen bekommt man die aber fuer Pfennigbetraege nachgeschmissen. Wer richtig rocken will, holt sich einen Fernausloeser mit integriertem Timer.

Zu guter letzt kommt der Timer: Ein billiger Kuechentimer, der Sekunden herunterzaehlen kann, reicht. Ich wuerde aber empfehlen, den Timer auszuprobieren um zu hoeren wie laut er ist, bevor ihr ihn kauft - nichts ist nerviger als nachts im Nirgendwo zu stehen und nen Timer in der Tasche zu haben, der mit der Lautstaerke einer Alarmanlage BIEPBIEPBIEP in die Nacht bruellt.

Motive & Aussagen

Nun kommt's darauf an, was ihr eigentlich fotographieren wollt. Als ich angefangen habe, wollte ich einfach nur die Technik ausprobieren - inzwischen versuche ich eigentlich eher, etwas zu erzaehlen. Ich finde, dass ich mit dieser Technik nicht nur schoene Bilder machen kann, sondern Dinge "manipulieren" kann. Schwer zu erklaeren, aber was ich fotographiere, erscheint als "vergessen", aber immer noch lebendig. Wenn ich meine Bilder mache, stelle ich mir vor dass das oder die "Models" vergessen, beiseite gelegt und sich selbst ueberlassen wurden, sich aber trotzdem noch ihren "Spirit" behalten haben und sich manchmal nachts an ihre alten Zeiten erinnern und - woertlich - im alten Glanz erstrahlen. Ich versuche, dabei nachzudenken wer frueher mit den Dingen gearbeitet hat, wer ihr Besitzer war, was ihre Geschichte ist und warum diese Dinge heute so aussehen wie sie aussehen. Klingt abgehoben, ich weiss ;-). Hilft mir aber, mir im Geiste ein Bild aufzubauen und zu entscheiden was und wie ich ein Bild beleuchte. Letztendlich bleibt die Entscheidung aber bei euch! Manch einer kann ein Bild besser komponieren wenn er sich ne Story dahinter vorstellt oder etwas erzaehlen will - ein anderer macht klasse Bilder ohne die Intention einer Geschichte, einfach nur weil die Farben so schoen sind. Beides ist ok! Macht einfach, was ihr fuer richtig haltet! Ich erinnere mich gerade an Bob Ross: We don't make mistakes - we only have happy accidents! :-)

Scouting

Wo auch immer ihr fotographieren wollt: Schaut euch die Location bei Tageslicht an. Bei Licht entdeckt man leichter irgendwelche Details, man bekommt ein Gefuehl fuer die Umgebung und weiss, worauf man sich einlaesst. Bittebittebitte niemals unbekanntes Terrain bei Nacht betreten. Nachts durch nen doppelten Boden zu krachen oder in nen Brunnenschacht zu fallen, den man nicht gesehen hat, stinkt ganz gewaltig. Deswegen wollt ihr immer zuerst tagsueber die Location erkunden. Glaubt mir! ;-)

Sicherheitstipps

Da gibts wohl einige kleine Unterschiede zwischen hier in den USA und daheim in Deutschland. Grundsaetzlich gilt natuerlich, dass man vernuenftige Kleidung tragen sollte. Allein schon um das ganze Viechzeugs wie Schnaken abzuhalten. Ausserdem steigt man doch manchmal durch Buesche und Dornen oder schrabbt irgendwo entlang. Ab und zu muss man auch mal *hust*ueber Zaeune steigen*hust* und mit kurzen Hosen ueber nen alten Holzzaun mit abgebrochenen Naegeln zu klettern ist nicht wirklich angenehm. Natuerlich auch ganz wichtig: Stabiles Schuhwerk. In D gehen normale Wanderschuhe. Ich trage hier meine dicken Feuerwehrstiefel. Die sind stabil und man kann in ihnen gut herumsteigen, ausserdem sind sie aus extrem dicken Leder. Das mache ich aus einem einfachen Grund: Klapperschlangen. Normalerweise machen sich die Viecher bemerkbar, wenn man ihnen zu nahe kommt, aber sicher ist sicher ;-). Ansonsten gibts natuerlich das uebliche Viechzeug zu beachten. Hier hauptsaechlich Katzen, Luchse, Stinktiere (mit denen hatte ich schon die eine oder andere Begegnung), Waschbaeren. Normalerweise machen die sich duenn, wenn man ihnen zu nahe kommt. Trotzdem sollte man aufpassen und sowohl Augen als auch Ohren offenhalten ;-). Wichtigster Sicherheitstipp: Night Photography Sessions sollte man am besten immer zu zweit halten. Und idealerweise immer ein paar Meter abstand zueinander lassen. Tappt einer in ein Loch oder eine Schlange, ist der zweite uebrig um Hilfe zu holen. Klingt dramatisch, da Klapperschlangen hier ungefaehr so haeufig vorkommen wie Fuechse in D und so ziemlich jedes Haus ausserhalb der Grosstadt seinen eigenen Brunnen im Garten hat, sollte man das nicht unterschaetzen.

Legal, Illegal, *egal?
Das soll natuerlich keine Rechtsberatung sein. Nur ein paar Dinge, die es zu beachten gibt: Verlassene Tankstellen, Schrottplaetze oder Gebaeude sind zwar genau dies - verlassen -, aber nicht immer ohne Besitzer. Fuer viele meiner Bilder musste ich in verlassene Gebaeude einsteigen (auch hier wieder wichtig: Cellphone und Kumpel, fuer den Fall das was passieren sollte) oder ueber Zaeune klettern. Die Autokinobilder sind alle in verlassenen Autokinos entstanden - allerdings waren die alle "for Sale" mit nem Zaun drumherum, also durchaus nicht oeffentlich zugaenglich. Hier kann das durchaus als Trespassing (unbefugter Zutritt) gewertet und verfolgt werden. Das wird wohl auch in D nicht wirklich anders sein. Mit "ueber den Zaun steigen" und aehnlichem, solltet ihr lieber vorsichtig sein. Grundsaetzlich: Versucht, den Eigentuemer ausfindig zu machen. Ich hatte bislang eigentlich niemals eine Absage bekommen. Ok, ein paar mal wurde nicht geantwortet, ich hab das dann als Ja gewertet ;-). Habt ihr die Zustimmung des Eigentuemers, druckt sie euch aus (per eMail z.B. ist das ja kein Problem), damit ihr vor Ort nen Nachweis habt, falls es noetig sein sollte. Auch hab ich immer meine Fotomappe mit 20-30 Bildern drin, dabei. Einfach aus dem Grund, dass man was zum herzeigen hat. Kommt die Polizei, fragt "was ist denn das?", antwortet ihr 3 Chinesen mit dem Kontrabasshabt ihr mit den Bildern eine gute Argumentationsgrundlage und koennt beweisen, dass man tatsaechlich nachts Bilder machen kann. Fuer den Fall der Faelle: Die Nummer eines Anwaltes, der weiss was man tut und der sich mit der spezifischen Situation gut auskennt, dabeihaben.

Bilder machen!

Diese Kamera...
So, nach dem ganzen Gelaber nun der wichtigste Teil: Bilder machen! Das ist imho der schwierigste Teil. Ich hab ja schon etwas ueber Motive und Bildaussagen geschrieben. Kurzform: Macht einfach, was ihr fuer richtig haltet. Der technische Teil kommt mit der Erfahrung. Meine Bilder sind meist bei ISO 100, Blende 8, 10-28mm Brennweite geschossen. Belichtungszeit ist verschieden: Bei halbem Mond belichte ich normalerweise zwischen 3 und 4 Minuten.

...macht dieses Bild
Bei Vollmond sind es um die 2 Minuten. Die Lichteffekte sind eigentlich ganz einfach: Ich loese die Kamera aus, laufe zu was auch immer ich anleuchten will (im folgenden Beispiel das verlassene Gemaeuer), stelle mich so ins Gebaeude, dass ich von der Wand verdeckt werde und man den direkten Blitz nicht in der Kamera sieht und blitze drauflos. Dann komm ich wieder raus und zurueck zur Kamera gelatscht. Keine Sorge, durch die lange Belichtungszeit seid ihr auf dem Bild nicht zu sehen - solange ihr keine Lichtquelle mit euch herumtragt. Also Taschenlampen ausschalten und auch den Blitz nicht vergessen. Ich durfte schon das eine oder andere Bild ein zweites mal schiessen, weil ich den Blitz nicht ausgeschalten habe und mit der "Ready" Leuchte am Blitz ne nette rote Lichtspur durchs Bild gezogen habe. Habt ihr alles richtig gemacht, sollte es dann ungefaehr so wirken wie im Bild rechts.

Viel Spass :-)


Kommentare

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10 08 2008
#1 wilfert (Antwort)

hi ! professionell erklaert,
11 08 2008
#2 Hollito (Antwort)

Schöner Bericht, Mike! :-D

Und meine FZ8 kann maximal 60 Sekunden belichten... so ein Mist :-( Muß ich mir wohl doch ne DSLR kaufen. ;-)

Zu den Blitzgeräten nur eine Anmerkung bzw. ein Tip, falls jemand hier in D nachts fotografieren möchte: Blitze von Vivitar sind hierzulande ziemlich exotisch (Bei Ebay ist immer so ne handvoll zu finden, das Angebot ist aber sehr begrenzt). Wer also nen paar alte Blitze braucht, guckt sich am besten mal bei Metz oder Braun um, da ist das Angebot wirklich riesig und man bekommt immer was für wenig Geld.
Ich habe vor kurzem nen Metz mit Leitzahl 40 für 4 Euro gekauft (siehe Eintrag in meinem Blog).

Zur Frage, ob man mit einem alten Blitz seine Kamera "hochjagt" oder nicht, sei diese Seite hier empfohlen:

http://www.botzilla.com/photo/strobeVolts.html

Da findet man schon Angaben zu ner ganzen Menge Blitzgeräte. Im Zweifelsfall einfach keine Experimente wagen, dann kann auch nix kaputt gehen!
11 08 2008
#3 Schrom (Antwort)

Gute Erklärung, macht Lust das auch mal zu probieren.

Kommen die Farbfolien nur vor die Taschenlampe oder auch vor den Blitz?
12 08 2008
#4 Mike (Antwort)

@Hollito: Danke fuer den Zusatz zu den Blitzen :-)

@Schrom: Nur zu, ich will Bilder sehen ;-). Zu den Folien: Je nachdem was ich machen will, aber die Farbfilterfolien kommen auch vor den Blitz.

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