Muskelkater aus ner anderen Dimension
23 09 2008Gestern habend war ein "grosser Tag" fuer mich! Wir hatten unser Montagstraining bei der Feuerwehr, sassen im dayroom herum und haben ueber Computerzeugs geschwaetzt, als der Funk losgeht und unser Tone kommt: "Oak Cliff Fire, respond to a structure fire at $address". Ein Hausfeuer hatten wir schon laenger nicht mehr (wenn man mal von der Scheune absieht), aber warscheinlich ist's eh "nur" wieder ein Fehlalarm oder eine Kleinigkeit, wie meist. Ich bin Teil der "First Out" Crew und sitze in Engine 98 - wir bahnen uns unseren Weg durch den Verkehr (mit den ueblichen "Oh, eine Fire-Engine mit Blaulicht und Sirene! Naja, ich hab noch genug Zeit, um vor denen schnell aus meiner Einfahrt zu fahren und denen den Weg zu blockieren"-Trotteln), als wir am Ort des Geschehens eintreffen und das Haus komplett in Flammen stehen sehen.
Kurz nach uns treffen noch weitere unserer Fire Trucks ein (um genau zu sein, so ziemlich alle die wir hatten), als auch Unterstuetzung von benachbarten Departments. Da ich Teil der "First Out" Crew war, kam der Befehl unseres Lieutenants: "Brian, Mike, you're going in!".
Ok, das ist nun schwer zu beschreiben. Ich war schon in Gebaeuden nachdem das aktive Feuer geloescht war, ich war auch schon in Atemschutz um Feuer herum um aktive Feuer zu loeschen. Ich war aber noch nie Teil des Angriffsteams in einem in Flammen stehendem Gebaeude. Meine ersten Gedanken, als ich realisierte, dass ich jetzt da rein muss, waren irgendwie ne Mischung aus "IIIEKS!" (zusammen mit nem starken "ach du schande"-Reflex und dem damit verbundenen zusammenkneifen der Arschbacken) und "Yeah, Baby! Partytime!". Ein letztes mal die Ausruestung gecheckt: Bunkergear angelegt und verschlossen, Nomex-Maske auf, Atemmaske auf, Pressluft aufgedreht, Helm auf, Lederschuerze ums Genick, Handschuhe an, Axt dabei, Loeschschlauch unter druck... Alles klar, rein! Mein Kollege - Brian - war Nozzleman, er war also vor mir und war derjenige, der Wasser uebers Feuer schuettet. Ich war hinter ihm, war also der "Linebacker", was heisst dass ich Werkzeug zur verfuegung halte und einsetze (um Tueren zu oeffnen oder Waende/Decken einzuschlagen) und ausserdem den Nozzleman abstuetze, da - vor allem auf feuchtem und schmierigen untergrund - der Wasserdruck des Schlauches jemanden schon kraeftig nach hinten druecken kann.
Die Eindruecke im Haus waren dann... aehm... beeindruckend! Du stehst aussen vorm Haus, siehst das Flackern des Feuers und der Blaulichter, hoerst den Laerm der Pumpen, Leute am dirigieren und rufen - dann geht man ins Haus (naja, man geht nicht direkt - man kniet und laeuft auf den Knien) und sieht kaum etwas, ausser dunklem Rauch. Es ist fast stockfinster, unsere Taschenlampen tun nicht viel, ausser nen Strahl durch den Rauch werfen. Es ist fast totenstille und alles was man hoert, sind die Atemschutzgeraete mit ihrem Darth-Vader-typschen: "FFFT-PSCHSCHSCHT, FFFT-PSCHSCHSCHT, FFFT-PSCHSCHSCHT". Man kriecht durchs Haus und schleppt nicht nur 15 Kilo feuerfester Klamotten, ne Axt und ein Halligan und ein Atemschutzgeraet, sondern zieht auch noch einen geladenen und schweren Loeschschlauch durch die Gegend. Wir sehen am ende des Flurs Feuer durch die Kuechentuer schimmern, biegen nach rechts in die Kueche und finden Auslaeufer des Feuers, das sich von der Garage in die Kueche ausgebreitet hat. Ploetzlich wirds wieder Laut, das brennende Holz macht Geraeusche, das Feuer selbst macht Geraeusche, das Wasser macht Geraeusche. Ich knie gerade mit meinem Kollegen in einem brennenden Raum, die Tuer zur Garage ist offen und wir sehen die Garage, die komplett in Flammen steht. Die Waende und Schraenke um uns herum stehen komplett in Flammen. Links, rechts und vor mir sind Flammen, welche fast vom Boden bis unter die Decke gehen, ueber uns rollen die Flammen in ungefaehr 1.70m hoehe ueber die Decke, bis knapp hinter uns (nur fuer den Fall das sich jemand fragt, warum Feuerwehrleute auf den Knien im Haus rumkriechen: Da habt ihr die Antwort
Draussen angekommen, werden wir erstmal zu "Rehab" geschickt (auf gut deutsch: Pause machen!) und ich hab mich erstmal meines ganzen Krams entledigt. Helm runter, Masken runter, Pressluft runter, Jacke runter. Erst jetzt realisiere ich, das ich bis auf die Knochen nassgeschwitzt bin und wie sehr man sich da drin verausgabt. Zum Glueck werden wir mit Trinkwasser versorgt! Diverse Attack-Teams gingen ins Feuer und haben das Feuer von innen bekaempft. Wir mussten auch noch ein paar mal rein, was dann zwar immer noch sehr beeindruckend, aber nicht mehr mit dem "first attack" vergleichbar war. Insgesamt hab ich 4 Pressluftflaschen verbraucht (eine haelt so zwischen 10 und 15 minuten, wir waren also insgesamt knapp ne dreiviertelstunde im Gebaeude) und gefuehlte 2 Gallonen Wasser getrunken. Das Haus konnte nicht wirklich gerettet werden, immerhin gab es keine Verletzten. Knappe 3 Stunden spaeter, um Mitternacht, war das Feuer geloescht und wir konnten uns wieder auf den Heimweg machen. Nein, noch kein Feierabend, sondern Trucks putzen, Pressluftflaschen aufladen, Schlaeuche spuelen und putzen, Trucks mit Ersatzschlaeuchen laden und den ganzen Kleinkram halt. So gegen 2 Uhr sind wir dann alle nach hause.
Inzwischen ist Dienstag, ich hab mich gestern nach dem Heimkommen ne halbe Stunde geduscht und heute frueh nochmal und stinke immer noch nach Rauch und Feuer. Und ich hab die Urgrossmutter aller Muskelkater. Heiliger Joschi, mir tun Muskeln weh, von denen ich nichtmal wusste, dass ich sie habe. Trotzdem: Beeindruckend wars! Und wen's interessiert, fuer den hab ich noch nen Link zu den Nachrichten ueber dieses Feuer. Leider recht enttaeuschend, da die erst kamen, als alles vorbei war: http://www.koco.com/news/17535137/detail.html
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